Einmal im Jahr heißt das Motto „Fun For Free“. Irgendwann zur Sommerzeit öffnet das Muffatwerk seine Tore bei freiem Eintritt. Das erfreut in vielerlei Hinsicht. Das Publikum kommt umsonst in den Genuss eines freien Konzertes. Die Band kann davon ausgehen, vor einer einigermaßen angemessenen Kulisse zu spielen. Auch dieses Jahr wurde von dieser Gelegenheit ordentlich Gebrauch gemacht. Sogar die Empore war geöffnet, was für das Ampere immer ein schöner Mengenmesser ist. Getreu dem Motto der musikalischen Vielfalt war mit Chico Trujillo dieses Mal ein Vertreter Lateinamerikas angesagt. Vor ziemlich genau einem Jahr waren sie schon einmal hier, zusammen mit Ricardo Lemvo und Maravilla de Florida. Da waren sie die eigentliche Überraschung, als sie das Café zum Kochen brachten. Antreiber der Band war und ist der Sänger Aldo „Macha“ Asenjo, eine gnomartige Gestalt mit Hut, die plötzlich und überfallartig zum Rumpelstilzchen mutiert. Obwohl auch der Rest der Truppe beständig ackert, ist Macha unbestreitbar der „anchorman“. Geradezu als ruhendes Gegenstück wirkt der Gitarrist Michael Magliocchetti, der auch leicht als Bruder von Zlatan Ibrahimovic durchgehen könnte. In ähnlicher Manier brachten sie an diesem Abend auch das Ampere in grenzwertige Wallungen. Der Stil, den Chico Trujillo für seine Attacken benutzt, basiert hauptsächlich auf Cumbia. Wer die in seiner ursprünglichen Art aus Kolumbien kennt, wird geradezu überrumpelt, wie die Band diesen Rhythmus kombiniert mit Ska- und Reggaeeinflüssen auf das Publikum loslässt. Die Truppe stammt aus Chile und dient somit auch als mustergültiges Beispiel, dass keine Region und keine Person einen vielleicht in ihrer Heimat ursprünglich kreierten Stil als ihr unveräußerliches Eigentum betrachten sollten. Chico Trujillo hat die Cumbia in eine Art Brachialform weiterentwickelt und damit das Interesse daran hoch gehalten. Wer nicht genug hatte an diesem Abend, Chico Trujillo sind regelmäßig in Berlin im Café Zapata anzutreffen. Die Spaßattacke kann also eine Fortsetzung haben, wenn vielleicht auch nicht ganz umsonst.
