Bericht Spanish Harlem Orchestra, 09.07.12., Bayerischer Hof

Aller guten Dinge sind drei heißt eines der viel gebrauchten und vielleicht „übergebrauchten“ Sprichwörter. An diesem Abend aber hat es gepasst. Es ging um nicht weniger als um das Spanish Harlem Orchestra. Drei Anläufe haben sie gebraucht, um letztlich das passende Domizil in dieser Stadt zu finden. Die ersten beiden Konzerte hatten in der Muffathalle und im Gasteig stattgefunden. Selten wurde klarer, wie entscheidend und wichtig der Veranstaltungsort für den Erfolg eines Konzertes sein kann.


Es zeigte aber auch, dass die Truppe um Oscar Hernández, dem Keyboarder und Chef der Band, schwer einem ausreichend tragfähigen Publikum in dieser Stadt zuzuordnen ist. Zwar handelt es sich um eines der zurzeit besten, im „klassischen“ Stil des Salsa großer Orchester der Siebziger Jahre agierenden Ensembles. Doch garantiert dies noch keine vollen Säle. Aufgrund des Stils der Band, die auch jazzige Elemente integriert, scheint sie in der Familie des alljährlich vom Bayerischen Hof veranstalteten Jazzsommers, am besten aufgehoben zu sein. Die hohe Qualität, die diese Veranstaltungsreihe, aus der langjährigen Tradition des früheren Klaviersommers entstanden, mit großen Namen garantiert, führt fast schon automatisch zu einer gewissen Resonanz beim Publikum. So kann man immer wieder beobachten, wie sich in feines Tuch gehüllte Besucher mit legeren Musikfreaks und aufgestylten Tanzposern in Eintracht unter dem luftigen Dach des Festsaales vereinen. So war es auch dieses Mal. Doch wollte man der Veranstaltung einen seriöseren Stil verpassen oder hatte man geahnt, dass die Tanzfraktion in selten gesehener, kleiner Fraktion anrückte? Ungewohnt wurde die Tanzfläche doch mit Stehtischen optisch merklich verkleinert. Die Band begann zu, für sie wohl ungewohnt früher Stunde, pünktlich um kurz nach 20 Uhr. Anscheinend wollte man möglichst wenig mit dem später im Night Club spielenden, großartigen Roy Ayers kollidieren bzw. dem Publikum die Chance geben, auch dort noch vorbeizuschauen. Nach etwas verhaltenem Anfang spielte das Spanish Harlem Orchestra zu erwartet routinierter, doch auch großer Form auf. Vielleicht hat der Ballsaal, wenn er auch verhältnismäßig klein ist, einen Hauch von Erinnerung an Auftritte von Orchestern zu alten Fania Zeiten hinzugefügt. Hat es die Truppe doch nicht nötig, Anklänge an Reggaeton oder Zugeständnisse an andere angesagte Rhythmen zu machen, um ihre Qualität zu beweisen. Nach zwei, jeweils circa eine Stunde dauernden Sets war klar, dass wir uns dieses Mal, im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Auftritten, berechtigte Hoffnungen auf ein nächstes Mal machen dürfen. Vielleicht muss dann das bewährte Sprichwort umgeschrieben werden.

Stephan

Ein Link zu einem YouTube-Video des Abends

Zu den Fotos bei Salsa-Munich

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