Dies ist nur Ausschnitt eines längeren Berichts, einer dreiwöchigen Reise nach Brasilien. Es beschreibt den Teil der Reise mit dem Karneval in Salvador de Bahia. Es gibt ein paar interessante Tipps und Kontakte für den Karneval generell.
090218 Mittwoch – Abreise Arraial `d Ajuda und Ankunft in Salvador
Es ist wirklich ein kleiner süßer Flughafen in Porto Seguro, von dem aus wir uns auf den Weg machen nach Salvador de Bahia. Alles ist übersichtlich, das Personal ist freundlich. Die Wege sind kurz.
Der Flug nach Salvador dauerte nur 40 Minuten, durch einen Sonnenuntergang, dessen Rot-Töne sogar ich mit meiner Rot/Grünschwäche realisiere.
Eine interessante Beobachtung war, dass während des Fluges ständig die Handys klingelten. Auch während der Landung wurde eifrig telefoniert und es klingelte. Das, obwohl mehrmals ausdrücklich durchgesagt wurde, dass der Gebrauch der Telefone, wie natürlich auch der Notebooks, untersagt wäre. Es hat wirklich niemanden interessiert…Ja, da merkte ich dann doch dass ich Deutscher bin.
Beim Anflug über Salvador wurde ersichtlich, wie weitläufig diese Stadt doch war.
Wir wurden erwartungsgemäß abgeholt vom deutschsprachigen Touristenführer Markus Priller.
Der Markus ist wirklich ein guter Tipp für jeden, der etwas mehr, oder auch mal ganz andere Perspektiven dieses so interessanten Bundesstaates Bahia erfahren möchte!
Wir hätten, ohne seinen guten Ratschlag, vieles in dieser kurzen Zeit nicht erleben können. Vor allem schätzten wir aber seine interessanten Führungen, in touristisch erschlossene, aber auch in “touristisch eher nicht so erschlossenen Gegenden”. Diese waren super interessant und auch recht aufregend.
(Markus Priller, Brasil-Handy: 02171 – 9198-3339 Skype: markus.priller Email: mark.priller(ÄT)gmail.com)
Ein sympatischer Augsburger, den es vor ein paar Jahren nach Salvador verschlagen hatte. Er erzählte, dass er die erste Zeit, ohne ein Wort Portugiesisch, nach Salvador gekommen wäre und in einer Favela recht intensiv und schnell Portugiesisch gelernt hätte. Dass er gerne weiter in der Favela wohnen würde, da er dort seine Freunde hat, aber, für sein Business als Touristenführer leider eine andere Wohnadresse benötigen würde, da er sonst keinerlei Geschäftsmöglichkeiten hätte. Es käme, so meint er, nicht so sehr auf die Hautfarbe an, sondern wo man wohnt. Denn damit signalisiert man, welchen sozialen Status man inne hat. Wir machten aus, dass er uns, nach dem Karneval, in sein ehemaliges Wohngebiet mitnimmt. (diese Geschichte kommt im nächsten Bericht)
Er machte, auf dem Weg mit dem Taxi vom Flughafen zum Hotel. (circa 1 Stunde), wirklich ein „Kompressions-Briefing“, das die wichtigsten Verhaltensregeln und auch Optionen während des Karnevals beinhaltete. Er erzählte, dass sich letztes Jahr 2 Millionen Besucher pro Tag am Karneval erfreuten (2/3 der Einwohneranzahl von Bahia) und dieses Jahr 2.5 Millionen erwartet würden. Er meinte, es wäre der ABSOLUTE AUSNAHMEZUSTAND in der Stadt und man könne entweder mitmachen und sich “voll reinschmeißen”, oder versuchen an den Strand außerhalb zu flüchten und somit dem Karneval zu entgehen. Aber mit Sehenswürdigkeiten im Zentrum oder so, da wäre in dieser Zeit garnix! Über 40.000 Polizisten wären ausschließlich für den Carneval abgestellt. (Das ist auch wirklich ersichtlich, zumindest an den Hauptstrecken!)
Er erklärte uns die drei Möglichkeiten den Karneval zu erleben.
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1) Ein gekaufter Platz (Camarote)

Typischer Camarote am Campo Grande
Stationär an einer bestimmten Stelle des Umzuges. Das verkaufen Hotels oder Häuser, die direkt am Umzugsort liegen. Am günstigsten kommt man an diese Plätze in Supermärkten bei entsprechenden Händlern/Shops. Die „Eintrittskarte“ ist ein spezielles, für diese Camarote designtes T-Shirt. (Abadá)Vorteil: sehr sicher (je nach Ort des Camarote natürlich); Alles inklusive (Essen und/oder Getränke); man kann jederzeit raus aus dem Bereich (T-Shirt) und sofort wieder rein, wenn es heiß wird. Sanitäre Anlagen vorhanden. Anfahrt und Heimweg gesichert, bei Auswahl der geeigneten Camarote. Keinerlei Sicherheitsprobleme, also auch mit teurer Kamera machbar.
Nachteil: Recht teuer; recht unflexibel und abgeschirmt. Den eigentlichen Karneval erlebt man wie aus der Ferne. Karneval „light“. Die Qualität der „Vollpension“ hängt ganz von der Camarote ab.

Camarote Central Campo Grande

Camarote Central Campo Grande
2) Mit einem Trupp mitziehen (in einem Bloco hinter einem Trio Elétrico)
Man kauft sich für einen der Umzüge ein T-Shirt (in Supermärkten bei entsprechenden Händlern/Shops) und zieht hinter einer der Band her. Der Wagen mit dem Tross zieht mit dem Umzug mit.
Dabei ist es wichtig, die richtige Auswahl zu treffen, da es da ein breites Spektrum an Möglichkeiten gibt, die „nicht alle für jeden passen“. Teilweise recht aggressive Komparsen.
Das Bloco wird angeführt vom Trio Elétrico , einem riesigen Truck, der einen oft 20 m langen und speziell umgebauten Anhänger schleppt. Oft geht ein Teil des Bloco dem Trio Electrico voraus. Auf diesem Anhänger ist vor allem die wirklich beeindruckende Musikanlage installiert. Bis zu 120 000 Watt ist die Leistung der nach allen 4 Seiten installierten Lautsprecher.
Ein langes Seil (Cordas) um die entsprechende Gruppe mit vielen Wächtern schützt den Bloco. Nur mit dem entsprechenden T-Shirt lassen einen die Wächter in das Seil. So kann man jederzeit „raus gehen“ und wenn es „eng wird“ auch jederzeit wieder in den sicheren abgeschlossenen Kreis innerhalb des Seiles.

Das Hauptproblem ist eigentlich nur, nachdem der Zug ja von 16:00 Uhr bis 03:00 nachts oder länger unterwegs ist, möchte man möglicherweise irgendwann aussteigen und heimkommen. Was dann manchmal recht schwierig ist, denn, sobald man den Kreis verlässt ist man „Freiwild“. Außerdem ist es manchmal nicht so leicht, eine Transportmöglichkeit zurück ins Hotel zu finden. Die Gegenden in denen der Umzug geht sind teilweise von unerfahrenen Gringos lieber nicht betretbar, denn, in den Seitengassen würde man schon mal überfallen und mit einer Knarre an der Schläfe nackt ausgezogen, auf der Suche nach Wertvollem.
Man sollte nichts mitnehmen außer dem Geld, das man vermutlich brauchen wird, in kleinen Scheinen, aber auch nicht zu klein, damit es nicht so ein riesiger Stoß ist. Angekleidet sollte man sein mit Turnschuhen (festen Schuhen), einer Badehose (in der man dann vorne den Geldbeutel und eine Kopie des Ausweises schiebt) und einer Short darüber, in dessen Seitentaschen (idealerweise verschließbar, aber hilft auch nichts) das kleine Geld hat um sich Getränke zu kaufen. Im Getümmel wären die Hände überall. Aber vorne in der Badehose wären das Geld und die Kopie des Ausweises recht sicher. (Außer man wird beim Heimweg überfallen)
3) Auf der Straße (Pipoca – Popcorn)

Pipoca in Barra - Salvador de Bahia 2009
Nur zu empfehlen mit einer Gruppe Ortskundiger/Ortsansässiger, welche herannahende Gefahren in Form von Gruppen oder bestimmten Gegenden, oder bestimmten Situationen, kennen und richtig einschätzen würden.
Wenn man das macht, dann wäre eine gute Lösung, sich einen Standplatz zu suchen, an dem man eine Art von Rückzugsmöglichkeit hat, wie ein Geschäft, dessen Besitzer man kennt und wo man rein kommt, wenn es zu brennen anfängt. Bekleidung wie bei Variante Bloco.
Sicher eine der intensivsten Möglichkeiten den Karneval zu feiern!
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Er liefert uns dann im Hotel ab, Pousada do Pilar in der Rua Direita do Santo Antonio 24 (www.pousadadopilar.com), welche direkt in der Altstadt von Salvador liegt. Mit den entsprechenden Vor/Nachteilen.
Es gibt WLAN, der Ausblick von der Frühstücksterrasse ist atemberaubend! Die Pousada liegt auf dem höher gelegenen Bereich der Altstadt und man hat nach hinten einen Blick über den Hafen und weit in südliche und nördliche Richtung.

Ausblick von Terrasse Pousada do Pilar in der Rua Direita do Santo Antonio 24 (www.pousadadopilar.com)

Terrasse Pousada do Pilar in der Rua Direita do Santo Antonio 24 (www.pousadadopilar.com)

Ausblick von Pousada do Pilar in der Rua Direita do Santo Antonio 24 (www.pousadadopilar.com)

Ausblick von Pousada do Pilar in der Rua Direita do Santo Antonio 24 (www.pousadadopilar.com)
Wir sind dann noch Essen gegangen, zum empfohlenen Italiener, bei dem wir wirklich sehr gut gespeist haben. (Al Carmo, Rua do Carmo 66)
Es fing immer wieder kurz zu regnen an, wie es ja auch die Wettervorhersage für die nächsten Tage prognostiziert hatte. Schade, denn von der offenen Terrasse beim Essen hatte man, genauso wie in der Pousada, einen hervorragenden Blick auf das nächtliche Salvador.
090219 Donnerstag – Die Touri-Kiste am Abend (Camarote in Barra)
Das Frühstücksbuffet in der neuen Pousada war wirklich hervorragend, die Zimmer waren groß, komfortabel, angenehm und vor allem: moskitofrei! Nach den heftigen Attacken der „nächtlichen Hochfrequenzmosquitos“ in Arraial `d Ajuda war das eine echte Erleichterung!
Es ist eine supergeile Pousada, in welcher die Zimmer in einer architektonisch sehr interessanten Art und Weise über eine Stahlkonstruktion mit verschiedenen Treppen, erschlossen sind. Wirklich hervorragend und geschmackvoll restauriert das alte Gebäude!
Von meinem Zimmer aus hatte ich einen Blick auf die vor dem Haus liegende enge und sehr belebte Straße. Es fuhren aber nur wenige Autos durch. Hauptsächlich Fußgänger und Motorräder.

Ausblick von Terrasse Pousada do Pilar in der Rua Direita do Santo Antonio 24 (www.pousadadopilar.com)

Ausblick von Pousada do Pilar in der Rua Direita do Santo Antonio 24 (www.pousadadopilar.com)

Pousada do Pilar in der Rua Direita do Santo Antonio 24 (www.pousadadopilar.com)

Ausblick von Pousada do Pilar in der Rua Direita do Santo Antonio 24 (www.pousadadopilar.com)

Bad in Pousada do Pilar in der Rua Direita do Santo Antonio 24 (www.pousadadopilar.com)
Im Haus gegenüber lebt eine Art von „Santera“ in ihrer extrem weißen und hellen Wohnung in der viele Blumen aufgestellt waren. Auf dem Balkon gegenüber haust ein alter kranker Hund, der offensichtlich größere gesundheitliche Probleme hatte und ab und zu versuchte, sich ein paar Schritte zu bewegen. Was ihm leider nur mit sehr mäßigem Erfolg gelang.
Den Vormittag über testen wir ausgiebigst die WLan-Anbindung. Erst Misio, dann ich. Tadeu, unser „Kontaktmann“ in Salvador, der mir von meinem Hamburger Freund Jan empfohlen wurde, hatte glücklicherweise endlich auf unsere SMS und Email geantwortet. Wir gingen dann in die Lobby wegen der Camarote-Geschichte am Abend, die wir eingeplant hatten. Der Verkäufer wollte in 15 Minuten im Hotel sein, aber er kam einfach nicht. Da fragte ich Stephan, ob es nicht besser wäre, erst den Tadeu anzurufen falls heute was Interessantes wäre, was dann ja mit der teuren Touri-Gschichte kollidieren würde. Tadeu ist ein bekannter Fotograf in Salvador und sollte schon wissen was so läuft, dachte ich. Aber Misio wollte, so glaube ich, eher erst mal die Touri-Kiste abfackeln, zumindest zeigte er keinerlei Reaktion. Aber, man sollte auf seine Impulse hören…
Als wir das Camarote-Paket dann beim Hotel gekauft hatten (und auch bereits bezahlt hatten), bestehend aus zwei Eintrittskarten, den entsprechenden T-Shirts, zwei Schwimmhilfen, diversen Werbeprospekten und sicher über je 20 Kondome unterschiedlichster Geschmacksrichtung, da riefen wir Tadeu an. Der sagte, dass er in einer halben Stunde im Hotel wäre. Wir hatten ja jetzt bereits eine Stunde in der Lobby auf den Verkäufer der T-Shirts für die Abendveranstaltung gewartet.
Der Tadeu ist dann aber auch nicht so schnell gekommen. Wir warteten weitere 1 ¼ Stunden in der Lobby. Es war ganz nett, die superhübsche Schokoladengazellen-Rezeptionistin bei der Arbeit zu beobachten (Mein Gott hatte die weiße Zähne beim Lächeln und die lächelte wirklich oft…), aber wir waren ganz froh, dass dann der Tadeu so gegen 15:30 doch noch gekommen ist. Eigentlich hatten wir jetzt schon den ganzen Nachmittag in der Rezeption beim Warten verbracht und der Schokogazelle zugeschaut.
Tadeu war uns auf Anhieb supersympathisch.

Tadeu Miranda - Fotografo
Er lachte uns gleich so richtig aus, wegen der bereits gebuchten Abendveranstaltung. Er wäre gerne mit uns nach Pelourinho gegangen, weil da der Bär tanzen würde, meinte er…
Ich richtete diverse, nicht unvorwurfsvolle Blicke an den Misio. Aber es war auch OK so. Dann machen wir das Touri-Programm zum Einstieg, dachte ich mir.
Die Kommunikation mit Tadeu war zwar superlustig, aber auch extrem schwer, da er kein Englisch sprach und wir kein Portugiesisch. Das übliche Problem dieser Reise… Spanisch reicht da leider nicht.
Er wollte dann morgen mit uns durch die Stadt fahren, mit einem Freund der ein Auto hätte, oder so ähnlich. Wir verstanden es nicht richtig. (“Sim Sim”… oder auf Deutsch, “Ja Ja”…) Am Montag wollte er dann mit uns zum Karneval gehen, oder so ähnlich… (Sim Sim…). Wir sollten uns keine Sorgen machen, meinte er, da er schon ein Auge auf uns werfen würde. Außerdem kenne ihn eh jeder als bekannten Fotograf. OK…
Jetzt rentierte es sich nicht mehr irgendwas Essen zu gehen, so dachten wir, nachdem der Tadeu gegen 16:30 wieder abrauschte. Denn, bei der Touri-Camarote-Gschichte am Abendsollte es ja „Vollpension“ geben…
Als wir auf das Zimmer gehen wollten, da stoppte uns Schokogazelle und entschuldigte sich bei uns aufs heftigste, da sie die Unterhaltung mit dem Tadeu mitbekommen hätte und daher jetzt, wegen der teuren Touri-Geschichte heute Abend, offensichtlich ein schlechtes Gewissen bekommen hatte.
Aber wir hatten eigentlich beide kein Problem damit, denn, wir waren ja auf sie zugekommen und nicht sie auf uns. Aber ich fand es schon recht sympathisch wie sie sich ein wenig schuldig fühlte.
Gegen 18:00 Uhr haben wir uns dann mit unseren Camarote -T-Shirts an der Rezeption eingefunden und wurden auch gleich dort abgeholt. Das war ein wirklich lustiger Anblick, wir, in unseren riesigen ärmellosen bunten T-Shirts!

Carnaval T-Shirt für Camarote Monte Pascoal Praia Hotel 2009
Zwei junge Burschen, einer konnte ein wenig Englisch, brachten uns mit dem Auto, nach einer Stunde Fahrt durch die Staus in Salvador, nach Barra. Dort konnten wir an einer Tankstelle aussteigen und einer der beiden Jungs brachte uns die circa 200 m bis zu einem Hauseingang in das Monte Pascoal Praia Hotel. Die Straße war gesäumt mit kleinen Ständen, die vor allem Bier, Getränke und kleine Faschingsutensilien verkauften, wie eine Konstruktion von zwei kleinen Händen, die von Drähten gehalten auf den Kopf gesteckt werden usw. Ein wenig ist da Oktoberfeststimmung aufgekommen, nur war es deutlich wärmer, (an diesem Abend empfindlich kühle 26 Grad) und man sah recht wenige Lederhosen.
Das T-Shirt, in Kombination mit der Eintrittskarte ermöglichte uns den Eintritt in das Gebäude des Hotels, dessen großer Balkon sich auf die Strandpromenade von Barra öffnete.
Am Farol da Barra startet der Umzug, 4 km, immer die Promenade am Meer entlang, nach Ondina. Das ist ein Umzug, so wurde uns gesagt, an dem hauptsächlich die weiße Mittelschicht mitläuft und auf dem oft die bekannteren Bands auftreten. (Bands wie: Daniela Mercury, Olodum, Ivete Sangalo, Banda Eva, Timbalada…)
Eine Hausband spielte brasilianischen Funk, dass die Fetzen flogen. Meingott war das eine geile Band. Wollte eigentlich noch nach dem Namen fragen…
Es gingen überall Kellner rum, die Bier in Dosen und Plastikbechern, aber auch härtere Sachen, meist Whisky und kleine Snacks verteilten. Die guten Plätze an der Brüstung zur Promenade, waren bereits alle besetzt + einer 2. und 3. Reihe als Warteschlange. Die Promenade war superhell (Filmlicht) beleuchtet. Die Polizei war sehr präsent auf der Straße. Viele Fernsehstationen hatten ihre Bühnen hier aufgebaut und schwenkten wie wild ihre Kameragalgen hin und her, aufgebrezelte Moderatorinnen wurde der letzte Schweißtropfen weggepudert, nicht unleckere Tänzerinnen hüpften im Takt der Musik aufgeregt wie junge Kücken auf der Bühne hin und her. Die großen stationären Kameras schwenkten ständig in die Menge der Camarote-Gesellschaft. Man kam sich recht beobachtet vor, die Mädels ringsherum zupften ständig aufgeregt an ihren Haaren rum wenn die Kamera wieder in die Camarote-Gesellschaft zielte. Die Lautstärke war OHRENBETÄUBEND, aber das war erst der Anfang. Die Qualität der Musik in Bezug auf Sound war HERVORAGEND, so dass die wirklich brutale Lautstärke überhaupt nicht auffiel. Ich hatte zwar Ohrenschützer dabei, hatte aber ganz vergessen sie rein zu tun. Was ich später im Hotel, als sich der deutlich verstärkte Summton meines Tinitus bemerkbar machte, natürlich bitterlich bereute!
Die erste halbe Stunde habe ich mich eher nicht so wohl gefühlt. Ich erkundete das Terrain ein wenig. Es waren sicher 90 % der Anwesenden Brasilianer, aber auch „Hans Haas mit Frau“ war da und wippte leicht im Rhythmus der Musik. Es gab nur wenige Sitzplätze, der Boden war uneben und es gab verschiedene Höhensprünge, die, bedingt durch die vielen sich drängenden Leute, nur schwer ersichtlich waren. Wir fanden dann einen Standplatz in der 3. Wartereihe vor der Brüstung zur Promenade, an einer Säule, so dass man nicht von allen Seiten „angreifbar“ war, aber hierzu später mehr.
Als sich der erste Bloco von rechts näherte, verstummte die fetzige Hausband.
Die Musik des anrollenden Trio Elétrico war nicht nur zu hören, sondern auch sehr deutlich körperlich zu spüren, vor allem natürlich der Bass. Aber in diesem Trio Electrico befand sich noch viel mehr, wie mir als aufmerksamer Beobachter nicht entging.
Der Markus Priller, der uns vom Flughafen abholte, meinte ja, dass eines der Hauptprobleme im Bloco, vor allem aber auf der Straße wäre (was wir dann in den nächsten Tagen am eigenen Leib erlebten), dass es keine Toiletten gäbe, was natürlich vor allem für die Frauen ein echtes Problem darstelle. (Ich habe selber die riesigen Warteschlangen vor den wenigen total verbieselten Chemieklos am Straßenrand gesehen.)
Auf den Trio Elétrico befindet sich aber glücklicherweise meist eine Toilette für Herren und Damen, welche offensichtlich recht intensiv genutzt wurde. Aber zugänglich nur mit dem richtigen T-Shirt natürlich! Es gab auch Getränke im Trio Elétrico und die komplette Band stand auf dieser riesigen fahrbaren Bühne und spielte auf. Der Sänger bewegte sich auf einer Art von umlaufender Bühne und konnte so in wirklich jede Richtung darbieten. Der „Technische Leiter“ hat einen speziellen Platz. Sehr exponiert, von dem aus er den ganzen Bloco im Blick hat. Von dort gab er dann, oft wild gestikulierend, seine Anweisungen an die im ganzen Bloco verteilten Helfer. Vor allem vermutlich an die, die noch vor dem bewachten Abgrenzungsseil (Cordas), welches das ganze Bloco umspannt, die Bewegung dieses Seiles und somit des ganzen Blocos steuern.
Die Wächter am Seil (Cordas) hatten alle die gleichen T-Shirts und Shorts an, oft auch eine spezielle Kopfbedeckung. (Bloco „Harem“ z.B. eine Art arabisches Kopftuch). Natürlich hat jeder Bloco seine eigenen speziellen Farben für seine Seilwächter und Teilnehmer
Diese Seilwächter ließen nur „ihre“ Leute „hinter das Seil“ die natürlich auch ihr spezielles T-Shirt tragen mussten und sich somit diesem Bloco als zugehörig auswiesen. Andere sind da nicht reingekommen. Außer die Anhänger der Filhos de Gandhy mit ihrer auffälligen Bekleidung. Aber dazu später mehr. (http://de.wikipedia.org/wiki/Filhos_de_Gandhy)
Von den „Seilwächtern“ wurde am Seil ständig gezerrt und gezogen. Es ist vermutlich recht anstrengend, die ganzen 4 Kilometer ständig mit voller Kraft am Seil zu schieben, oder hinten, das Seil zu bremsen. Habe auch beobachtet, wie einer der „Seilwächter“ an der Hinterseite des Trio Elétrico mal versehentlich zwischen Seil und LKW gekommen ist, als die vordere Menge des Blocos mal zu sehr nach vorne ging. Das war meiner Meinung nach lebensgefährlich! Aber er hat es dann doch noch geschafft da raus zu kommen. Unter der recht kraftvollen Hilfe seiner Seilhüterkollegen, glücklicherweise bevor das Seil ihn an der Rückwand “halbiert” hat.
An den einzelnen, am Weg liegenden Camarote, machten die Wagen meist kurz halt und traten in eine kurze musikalische Kommunikation mit der dort anwesenden Gesellschaft.
Vor allem aber der Fernsehsender neben uns wurde immer entsprechend beachtet und praktisch jede Band wurde von den dortigen Moderatoren interviewt oder es wurden zumindest ein paar Worte gewechselt.
Wenn dann der Bloco weitergezogen war, dann setzte wieder die Hausband mit ihrem Irrsinnsfunk ein. War schon recht mitreißend die Geschichte.
Unten auf der Straße war ein recht lustig anzusehendes Treiben. Nicht nur Brasilianer, sondern auch einige offensichtliche Touristen, sahen meist aus wie Amerikaner, tummelten sich auf der Straße. Meist waren es Cliquen junger Burschen. Die Strandpromenade war gesäumt von Verkäufern, die meist Bier an die vorüber ziehenden Blocos verkauften. Wenn so ein Bloco vorbeizog, dann wurde es auf der Straße so richtig super eng, bedingt durch die Tatsache, dass die Seilwächter niemanden in den Bloco ließen, der nicht das richtige T-Shirt trug. Teilweise wurde es dann auch recht aggressiv. Da wurden im Vorbeigehen Watschen verteilt, rumgeschubst und rumgeschrien. Das Verhalten der Blocos war recht gut abzuschätzen, wenn man die Musik hörte. Wenn es sich um recht aggressive Musik handelte, die sich teilweise anhörte wie SpeedMerengue, dann waren auch die Leute im Bloco total aufgekratzt, tanzten Pogo-artige Tänze und schubsten sich bestenfalls rum. Aber auch recht handfeste Schlägereien waren vor allem in diesen Blocos zu verfolgen. Oder am Rande dieser so aggressiv spielenden Bands. Mancher Gruppe junger Burschen auf der Straße, die aus diesem sicheren Terrain von oben gut als zusammengehörende Gruppe erkennbar war, der wäre ich unten auf der Straße mit großem Bogen aus dem Weg gegangen!

Blick von Camarote Monte Pascoal Praia Hotel Barra Salvador de Bahia 2009

Blick von Camarote Monte Pascoal Praia Hotel Barra Salvador de Bahia 2009

Blick von Camarote Monte Pascoal Praia Hotel Barra Salvador de Bahia 2009

Blick von Camarote Monte Pascoal Praia Hotel Barra Salvador de Bahia 2009
Wir standen da oben von circa 19:00 Uhr bis 02:00 Uhr. Es ist mir die ganze Zeit über nicht gelungen an die Brüstung zu kommen. Die erste Zeit bemerkte ich, dass ich automatisch immer weiter hinter gedrängt wurde. Ganz unmerklich. Bis ich plötzlich total weit weg von der Brüstung war. Als ich dann, nach einem kurzen Regenschauer, wieder einen Platz in der ersten Wartereihe vor den Brüstungsplätzen hatte, weil alle vor dem Regen flüchteten, bis auf die, die direkte Brüstungsplätze hatten, da habe ich dann recht intensiv versucht, wenigstens diesen Platz zu halten. Was mir zwar gelang, aber mit recht viel Energieaufwand verbunden war. Da ging es um Millimeter der Fußposition, dann die Hand an die Brüstung, ein paar Millimeter den Körper vor den anderen geschoben und schon war wieder jemand vor mir gestanden. Meistens Mädels, die mit „vollem Körpereinsatz“ kämpften.
Regenschauer-Video
Wer da einen guten Platz hatte, der verteidigte ihn natürlich mit der ganzen Gruppe den ganzen Abend über. Wenn man zu spät kommt, hat man schlechte Karten, außer, es fängt dann mal so richtig zu regnen an. Dann werden „die Karten neu gemischt“. (Bis auf die erste Reihe…)
Bloco für Bloco wurde die Musik lauter, die Anhänger der Blocos zahlreicher und teilweise sowohl Musik, als auch Verhalten aggressiver. In manchen Momenten hätte ich nicht unten auf der Straße sein wollen, bedingt durch Enge und Aggressivität. Einer ist einem anderen mit vollem Anlauf mit beiden Beinen in den Rücken gesprungen, worauf sich unter den umstehenden ein rechtes Handgemenge entwickelte. Binnen Sekunden war die Polizei da und führte den ab, dem in den Rücken gesprungen wurde… (Der übrigens sogar noch gehen konnte)
Gegen 02:00 gingen wir dann die 200 m zurück zur Tankstelle, dem Treffpunkt mit dem Taxi und fuhren zurück ins Hotel. Die Nachwirkungen des Karnevals in Pelourinho waren auch noch durchaus zu spüren. Die Leute waren recht gut drauf, saßen auf der Straße, tranken, hörten Musik. Eine nur mit T-Shirt bekleidete und ansonsten völlig nackte Frau rannte plötzlich, wie von der Tarantel gestochen vor uns aus dem Haus, 50 m die Straße hoch in einen Hauseingang rein, bewacht von einem recht grimmig schauenden Farbigen. Was für großes Gelächter der auf der Straße Sitzenden sorgte. Merkwürdige Szenen erlebt man da…
Ich war total erschöpft, voll von Eindrücken. Außerdem bemerkte ich erst jetzt so richtig, dass ich in Summe ganz nett getankt hatte…
Gegessen hatte ich praktisch nichts. Mittags hatte es ja auch nichts gegeben, da freute ich mich dann so richtig auf das Frühstücksbuffet!
090220 Freitag – Cantina da Lua in Pelourinho
Laaanges Frühstück, dann, gegen 14:00, sind wir hoch nach Pelourinho zur Cantina de Lua, nahe der Praça da Sé, um die mitgenommene und zu übergebende Post von Frate2 an den Besitzer, Clarindo Silva, abzugeben. Das Faschingstreiben hatte bereits ein wenig begonnen. Die steilen Gassen waren bereits gut bevölkert.
In der Cantina da Lua haben wir den charismatischen Clarindo Silva, in seiner weißen Kluft gleich identifiziert und die Post übergeben. Der freute sich und bedankte sich ganz herzlich. Er stände uns jederzeit zur Verfügung meinte er noch. Wir blieben dann noch auf ein Bier sitzen und beobachteten das Treiben im Lokal und auf den Straßen. Bedingt durch den Umstand dass wir sowohl Kameras als auch Geldbeutel dabei hatten, machten wir uns dann gegen 16:00 vom Acker.
Siesta bis 18:00 Uhr. Dann machten wir uns langsam fertig für den Abend in Pelourinho mit Tadeu. Der schrieb ja in seinem Email, dass er uns gerne begleiten würde.
Leider ist er dann doch nicht gekommen, so dass wir zum Italiener mit der super Aussicht gingen. War auch eine lange Zeit ohne richtiges Essen! Denn die Fingerfood-Geschichte vom Camarote der Vornacht war nicht zu zählen.
Wir hofften, dass sich der Tadeu noch melden würde, denn wir sagten dem Nachtwächter, wo wir zum Essen waren. Leider nix. Als wir gegen 23:30 noch mal ins Hotel gekommen sind, um die E-Mails zu checken, war auch nichts von Tadeu dabei. Erst funktionierte das WLAN nicht so dass es dann schon 00:00 war. Wir sind dann doch nicht mehr raus…
Nicht viel gemacht diesen Tag…
090221 Samstag – ein wenig „Popcorn“ gespielt und die Japan-Performance
Wie immer waren wir die letzten beim Frühstück, das es offiziell immer bis 10:30 gab. Misio versucht noch eine Camarote in Campo Grande zu organisieren, da es dort mehr „afro“ zugehen würde. Die Schokogazelle versuchte ihm das zu organisieren. Wir standen im Email- und SMS-Austausch mit dem Tadeu, der uns für Montag eine große, aber auch recht teure Tour vorschlug. 800 Real für einen Freund mit Mietwagen (oder so ähnlich…) und er würde uns bereits um 08:00 Uhr abholen für eine recht ausgiebige und hintergründige Carnaval-Tour, wie sie sonst niemand hat. (???)
Wir diskutierten nicht lange und waren beide, nach kurzem Überlegen, einer Meinung. Das nehmen wir mit!
Danach sind wir zu Fuß in Richtung Pelourinho, bis zum „Elevador Lacerda“, dem riesigen Aufzug. Dann noch viel weiter, die Rueda Carlos Gomez entlang, da wo dann keine Polizeistationen mehr sind, wo die Geschäfte vergittert waren und die Leute einen so mustern… Wir waren auf der Tour des Umzugs des Campo Grande. Es war noch früh und wir gingen so die Straße lang, weiter und weiter. Der Misio war recht cool und macht ausgiebig Fotos. Dazu stellt er sich in der typischen Touri-Manier auf, stellt Beine leicht auseinander und hält die Kamera halbhoch vor dem Gesicht, so dass man auf dem Bildschirm der Kamera das gewählte Motiv sehen kann. Nicht gerade recht unauffällig wie er das inszenierte… Aber es passiert nichts. Ich muss zugeben dass ich schon damit rechnete dass ihm jemand seine Kamera abnehmen würde… Es standen hier auch zwei geparkte „Trio Electricos“ rum. Sind schon echte Monster diese Trucks!
Beim Zurückweg sind wir dann doch nicht nach links in einem großen Bogen, sondern dieselbe große Straße zurück. Wobei, besser wäre es gewesen die größere Av. 7. de Septembro zu nehmen. Wir sind ja mal abgebogen, aber, dann haben die Leute so geschaut… In einem Markt. Da sind wir dann wieder umgekehrt. Wir waren ja auch ein wenig „tourimäßig“ unterwegs…
Aus einigen Eventlokalen am Rande dieser Straße hörten wir dann zum ersten Mal Salsaklänge. Der Misio hat sofort zum Lächeln angefangen…
Wir kehrten dann wieder zurück zur Bar de la Lua. Zischten ein Bier und ich bestellte bei der sympathischen aber nicht unenergischen Bedienung, die leider über ein nicht so effektives „Verbuchungsprogramm“ für die Bestellung verfügte, ein Essen aus der Karte, dessen Namen ich nicht mehr weiß. Wollte es einfach mal probieren und hatte keine Ahnung was mich da erwartete. Die Bedienung versuchte es mir zwar zu erklären, aber das funktionierte leider mangels meiner schlechten Sprachkenntnis nicht. Es war dann eine superleckere Geschichte. Bohnenmus mit verschiedenen kleingeschnittenen Gemüße-Gschichten und viel Zwiebel darauf. Darin eingebettet, eine Art von sehr salzigen und auch sehr trockenen aber trotzdem sehr wohlschmeckenden Rindfleischstücken. Dazu ein Gefäß mit einer recht scharfen Soße. Es war SUPERLECKER! („Carne-do-Sol da Lua“)
So gegen 16:00 Uhr machten wir uns auf den Heimweg. Auf den Straßen begannen die ersten Umzüge, die in den engen Gassen mit viel Rumsdada und Bläser an uns vorbeizogen.
Ich machte meine Siesta. So gegen 20:30 ist dann der Misio wieder gekommen. Ich war wie gerädert. Wir machten uns dann auf ein wenig „Pipoca“ (Popcorn) auf den Umzügen von Campo Grande zu spielen.
Erstmal haben wir uns an der Pizzeria gleich am Eck vom Hotel gemütlich niedergelassen und der Misio hat eine fette Pizza gegessen. Ich habe ihm zugeschaut, denn, ich hatte ja Mittags schon gegessen und mein Profil im Spiegel, speziell im mittleren Bereich meines Körpers, entwickelte sich nach über 2 Wochen Brasilien sehr zu meinem Missgefallen.
Es war ein guter Platz, denn, alle aus den „Barrios“ ringsum zogen in der engen Straße an uns vorbei in Richtung Carnaval. Nur Sicherheitsschuhe mit Stahlkappe wären durchaus angebracht gewesen, denn, die Autos benutzten auch gerne mal den schmalen Gehsteig auf dem unser kleines Tischchen stand…
Dann machten wir uns auf nach Pelourinho und weiter zum „großen Aufzug“ und weiter zum Faschingsumzug. Es war, ohne Gehörschutz, wirklich unerträglich laut. Mir pfeifen heute noch die Ohren. Der Misio machte im Grunde das einzig richtige, denn, wie ein kleines Kind, das sich trotzig die Ohren zuhält, weil es die Anweisungen der Mutter nicht hören möchte, lief er an den Trio Electricos vorbei, mit dicht zugehaltenen Ohren und energischen Schrittes. Die entgegenkommenden Passanten mussten manchmal ein wenig schmunzeln bei diesem Anblick.
Wir sind dann noch ein wenig durch die Gassen von Pelourinho gestreift. In den Hinterhöfen hörte man Musik. Wenn man rein ging, dann öffneten sich teilweise riesige Bereiche in denen, mit Liveband, so richtig der Bär abging…
Auf der Straße wurde man dann schon mal von einer „deutsch sprechenden Geschäftsfrau“ angesprochen, aber wir lehnten dankend ab…
Wir gingen dann wieder zurück zur Pousada. Wollten eigentlich in der Bar an der Ecke (Sicherheitsschuhe) noch ein Bier trinken, was leider, bedingt durch aufkommendem Regen und Unlust der Bedienung, nicht zustande kam. Aber, da hörten wir plötzlich, genau vor unserer Pousada, die Trommeln einer Umzugsformation. War schon recht ungewöhnlich. Bei genauerer Betrachtung war das dann eine Truppe Japaner, die uns in den Tagen davor schon mehrmals aufgefallen waren. Die hatten doch glatt eine Trommeltruppe zusammengestellt und es schien, als wenn sie jetzt beabsichtigen würden, quasi „schwarz“ an einem der Umzüge teilnehmen zu wollen, oder zumindest eine Show organisieren zu wollen. Das erklärte auch, warum wir vorher der Vorhut der Japaner mit Bühnenequipment wie Licht, Stromaggregat und Lampentraverse begegnet waren.
Die Japaner sind schon ein spezielles Volk. Da zogen sie los, durch das Wohngebiet, laut trommelnd, in Richtung Carnaval. Es hätte mich gereizt rauszufinden, wie das dann weiterging mit den Japanern, war aber doch so müde, dass ich es bei einigen Fotos beließ.
090222 Sonntag – Der große Regen und Camarote Campo Grande
Mein Gott hatte das heute Morgen geregnet. Fing gegen 07:00 Uhr an, ich merkte es glücklicherweise rechtzeitig und schloss die Türen zu Balkon und zur Straße. Es wurde immer stärker. Beim Frühstück hörte man dann das Grollen von Gewittern und es war nicht mal möglich von der Terrasse zum Hafen runter zu sehen, so trüb war es. Natürlich war es trotzdem warm. Glücklicherweise hörte es dann so gegen 10:30 auf und es hellte sich sogar ein wenig auf, war aber immer noch bewölkt. Es ist wirklich ein frappierender Unterschied zu Deutschland, wo es in der Regel sofort unangenehm kalt wird, wenn das Wetter so schlecht wird.
„Vielleicht sollte ich mich jetzt doch darum kümmern dass das warme Wasser wieder funktioniert“, dachte ich mir. Denn, das „kalte“ Wasser mit dem ich immer zum Duschen gezwungen war, konnte sich ja ohne Sonne, in den auf dem Dach liegenden Behältern, bei diesem Wetter nicht mehr richtig aufwärmen. Das kalte Wasser war an normalen Tagen nicht wirklich kalt, sondern lauwarm. Sogar ich, als ausgesprochener „Warmduscher“, konnte da mal „kalt duschen“… aber, wenn die Sonne mal den ganzen Tag nicht scheinen würde… Bedrohlich!
Den ganzen Vormittag regnete es immer wieder. Der Misio versucht ein Camarote vom freundlichen Nachtwächter organisieren zu lassen. Ich wollte mich eigentlich mit dem Markus Priller in Pelourinho treffen. Das wurde dann nichts, da die Zeit zu knapp wurde. Die Camarote war vom freundlichen Nachtwächter bereits für 14:00 geplant gewesen, da er selber in Barra seinen Bloco hatte, mit dem er mitziehen wollte.
Wir handeln aus, dass wir erst um 17:00 Uhr vom Hotel aus losziehen mussten. Das bedeutet zwar, dass er von Barra extra herkommen musste, um uns zum Camarote zu bringen und dann wieder zurück zu seinem Bloco zu kommen, aber so wurde es dann ausgemacht.
Ich wäre viel lieber einfach nach Pelourinho hoch gelaufen, zu Fuß, dann ein wenig in Richtung Campo Grande gegangen, aber der Misio wollte unbedingt die Camarote-Gschichte durchziehen.
Also, sind wir noch schnell eine Pizza essen gegangen. Die „Pizzeria am Eck“ hatte zu, worauf wir eh schon fast bis zum Carneval runter laufen mussten um eine andere Pizzeria zu finden. Der Misio wurde beim Fotografieren vom Fenster über ihm mit einem Aschenbecher beschmissen. (vermutlich versehentlich) Die Pizza war wieder mal sehr käselastig…
Ein komischer Lumpenmensch lebt in dieser Straße. Er steigt in seine Wohnung über ein Fenster ein und aus. Das Fenster ist mit vielen Lumpen und Lappen „verschlossen“. Von innen hört man die laute Geräusche mehrerer Deckenventilatoren. Auch Musik ist im vorbeigehen manchmal zu hören. Meist Opern oder zumindest klassische Musik. Während wir uns unsere Pizza schmecken ließen und alle Leute in Richtung Carneval an uns vorbei zogen, da konnten wir plötzlich beobachten, wie er sich langsam aus dem Fenster auf die Straße hinab ließ. Dieser Prozess dauerte circa 1-2 Minuten. Er hatte ein recht merkwürdiges Kostüm an mit einer Art von Käfig und Gestell auf dem Kopf und Rumpf. Bekleidet mit Lumpen. War schon ein recht auffälliges Kostüm! Hätte ihn gerne fotografiert, war aber wie gebannt im Sitz pappen geblieben. Aber ich erwischte ihn dann nochmals nach dem Karneval auf der Straße. Er war immer noch im „Kostüm“.
Um 17:00 Uhr ging es dann erst mit dem Taxi in Richtung Campo Grande, dann zu Fuß den Berg hoch mitten in das Getümmel. Wir mussten einige Zeit warten, da sich gerade sehr gemächlich ein Bloco an uns vorbei schob und wir zu unserem Camarote auf die andere Straßenseite mussten. Es war alles voll mit Menschen, die schoben und drückten, aber die Stimmung war recht relaxt und ausgelassen. Ganz anders als wir das in Barra von oben beobachtet hatten. Es hat Spaß gemacht, aber wir hatten beide die Kamera dabei, da wir dachten, wir würden ja nur im sicheren Camarote sein. Dass wir dann so ausgiebig auf der Straße landen würden, das dachten wir nicht… Es hat richtig Spaß gemacht! Dann war noch der Carnavalzug zu überqueren, was dann doch einige Zeit dauerte, bis dann einer der Seilwächter so gnädig war uns durchlaufen zu lassen. Der Nachtwächter ging zurück zu seinem Bloco nach Barra und wir machten einen Treffpunkt für 24:00 aus. Da wollte er uns dann wieder abholen.
Das Camarote war nicht so gut besucht. Es war ein echtes „Monstercamarote“. Wirklich riesig. Die Bühne sehr nahe am Geschehen. Die Straße war an dieser Stelle leider nicht so gut beleuchtet wie in Barra, vermutlich, da sich die Fernsehstationen an einer anderen Ecke befanden.
Es gab einen Bloco mit langsamer Musik, fast schon langweilig, die dann immer wieder plötzlich superschnell wurde und es so richtig „Pogo-mäßig“ abging. Ein Teil der Gruppe im Bloco schoss bei den schnellen Teilen der Musik, die meist recht kurz waren, explosionsartig nach vorne in einer ganzen Gruppe und überrannte energisch alles was vor ihr lagt. Die Leute davor versuchten dann schon immer Platz zu machen. Was aber nicht immer gelang. Ging schon recht ruppig zu da. Scheint aber allen einen irrsinnigen Spaß gemacht zu haben, bis auf die, die gerade überrannt wurden.
Die Leute müssen sich bei so einem „Stoßtrupp“ wohl fühlen, wie sich vor hunderten Jahren vielleicht Söldner gefühlt haben, wenn sie gemeinsam gegen irgendeinen Feind angerannt sind. Die starke Gruppe, in der man, total aufgepeitscht von Musik und Rhythmus, gemeinsam und quasi „unbesiegbar“ gegen den „Feind“ anrennt. „Das würde ich gerne mal von unten erleben,“ dachte ich mir an diesem Abend.
Die Leute im Camarote schauen teilweise so gelangweilt und teilweise sehnsüchtig nach unten. Es scheint das Refugium derer zu sein, die sich nicht trauen, unten im Volk, natürlich mit allen Risiken, aber auch mit der „vollen Packung Spaß“ gemeinsam zu feiern. Da bleibt man lieber im sicheren, aber dafür recht langweiligen Refugium des Camarote. Eine hohe Mauer nach unten schützt vor dem Pöbel (Wie im richtigen Leben ja auch). Aus sicherer Entfernung beobachtet man das Treiben, aber man nimmt nicht daran teil. Das scheint bei einigen eine Art von Sehnsucht zu erzeugen, glaubte ich den Gesichtern entnehmen zu können. Denke, dass viele gerne da unten gewesen wären!
Es kommen immer mehr dieser als „Gandhy“ verkleideten Männer. Es sind ausschließlich Männer. Im Laufe des Abends wurde dann langsam die ganze Straße weiß von den Gandhys. Die hatten viele weißblaue Ketten umhängen, eine Art von Tunica, eine Mütze, unter der es unerträglich heiß sein musste. (weiß/blau – Candomblé-Göttern Oxalá und Ogún) Diese Verkleidung schien besondere Rechte bei Frauen zu bewirken. Es war nicht zu übersehen, dass jeder dieser Gandhys jede frei laufende Frau mit dieser Kette dazu nötigen konnte, ihm einen Kuss zu geben. Dabei rede ich nicht von einem Bussi…
Das wurde dann teilweise recht rigide eingefordert und die Frauen fügten sich, nach anfänglichem Widerstand im Spektrum von „TOTALER Wiederstandssturm“, bis leichtes „Widerstandsbrieschen“. Ich würde mich als gutaussehende Frau in solchen Momenten nicht da unten aufhalten wollen… Es gab dann richtige „Vergewaltigungsszenen“ zu sehen, wenn dieser Kuss eingefordert wurde. Ich denke, dass da so manches Mädel am liebsten eine antiseptische Mundspülung dabei gehabt hätte, das liess sich den Reaktionen nach dem Kuss entnehmen…Brasilien scheint das Land des Herpes zu sein, jedenfalls wäre es mal interessant, diesbezüglich Statistiken zu sehen… Denke auch (Spekulation) dass es sich hierbei um eine Art von „Gandhy-Friedenskuss“ handelt, der sich „in leicht abgewandelter Form“ geprägt vom Machismo, hier auf den Straßen manifestiert hat. Aber hierzu habe ich noch vor, das beim stets gut informierten Touristenführer Markus Priller genauer zu hinterfragen.
Jedenfalls erklärt dieses „Recht“, warum der „Bloco“ mit den Gandhys sich so reißender Beliebtheit erfreute, dass jetzt, nachdem dieser Bloco sich langsam näherte, die Straße praktisch weiß war, vor lauter friedenskusswilligen Gandhys.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Filhos_de_Gandhy)
Leider verlor ich genau vor dem Eintreffen des Trio Electrico des Gandhy meinen Platz an der Brüstung, da der Misio gerade aufs Klo musste und ich, alleine, den Platz nicht halten konnte. Als ich mir dann gegen 22:00 Uhr noch ein Bier holen wollte, da gab es keines mehr… Dann fing es an wie Sau zu regnen. Wir waren ja auf dem überdachten Teil des Camarote. Der wurde jetzt aber Stück für Stück von freundlichem aber bestimmtem Sicherheitspersonal geräumt. Dann wurde uns, so gegen 22:30 signalisiert, dass wir jetzt das Camarote verlassen sollten. Blöd, denn, jetzt ging es in den Regen und der Zeitpunkt des Treffens mit unserem „Guide“ war erst gegen 24:00 geplant. Wir beschlossen selber mit dem Taxi heimzufahren und vom Hotel aus den „Guide“ anzurufen, damit der nicht extra vom fernen Barra herkommen musste um uns zur Pousada zu bringen.
Klappte auch ganz gut. Wir haben sogar relativ schnell ein Taxi gefunden. Im Gegenverkehr, bedingt dadurch, dass sich die meisten vor dem Regen unter Bäume oder Dächer flüchteten.
Das war auch alles nicht so dramatisch, denn, es waren am Straßenrand an vielen Stellen so tribühnenartige Aufbauten, auf denen eine Hand voll Polizisten oder Militärpolizisten das Geschehen genau verfolgen. Wenn man in der Nähe, idealerweise in der Hauptsichtrichtung dieser Tribünen blieb, dann hatte man eigentlich recht wenig zu befürchten.
Den „Guide“ erreichten wir dann auch noch per Handy in seinem Bloco und wir haben uns dann müde zurückgezogen.
090223 Montag – Das Palmencabrio und der „spezielle Bloco“ mit Tadeu
Wir mussten früh aufstehen, denn, der Tadeu wollte bereits gegen 08:00 Uhr an der Pousada sein. An diesem Morgen, so früh und der letzte Tag so „kalt“ und verregnet, da machte es sich beim Duschen dann doch recht unangenehm bemerkbar, dass das warme Wasser nicht funktionierte. (Funktionierte trotz Reklamation und Rückmeldung von Schokogazelle, dass es funktioniert, immer noch nicht.)
Mein Gott war das ein schwüler Morgen. Es lief mir bereits beim Frühstück das Wasser runter. Ich war tatsächlich pitschnass. Hinzu kam, dass Schokogazelle auch gerade frühstückte und mich amüsiert musterte, sowie diese merkwürdige Frau von den Kanaren gerade den Misio über seine Beziehung zu Frauen im Allgemeinen und zu Bahianas im Speziellen ausfragte. Es war extrem schwül, in jeder Beziehung! Mein Hemd klebte am Körper. Ich wusste ja nicht was uns erwartete und habe doch tatsächlich ein Hemd angezogen und schwarze Shorts mit Turnschuhen. So war ich vom Outfit her multifunktionell einsetzbar. Ich hatte noch meine Riesengürteltasche mit dabei in der sich die große Kamera und Handy + diversen Utensilien verbargen.
Der Misio, war bekleidet mit Sneakers, langen Hosen und irgendein, von der Farbe her nicht mehr genau definierbares Polo-Shirt. Also wie immer, viel zu warm.
Der Tadeu holte uns tatsächlich pünktlich ab. Er schrieb eine SMS dass er unten wartete.
Da war er mit seinem Freund, „el loco“ (Name vergessen) da, welcher mit eine Art von „Palmencabrio“ gekommen war. Ein Cabrio, welches keine Blechteile hatte, sondern nur mit Palmen abgedeckt und auch auf der Seite bestückt war. Sah schon recht cool aus. Ich wusste ja eigentlich nicht so recht was uns heute so alles erwarten würde, denn, mangels der Möglichkeit der Kommunikation mit Tadeu haben wir uns einfach mal so auf seine Geschichte eingelassen, ohne das Programm zu kennen.
Wir verfrachteten uns in das „relativ offene und zugige„ Cabrio, welches 4 Sitzplätze hatte und fuhren durch die Stadt in ein Viertel, welches offensichtlich irgendwo auf einem Berg lag. Es war ein kleiner Platz und die Häuser ringsherum waren lauter Mehrfamilienhäuser. (Praça Marquês de Olinda in Garcia). Auf diesem Platz wurden gerade die ersten Stände aufgebaut. Erst dachte ich ja, es wäre so etwas Ähnliches wie der Viktualienmarkt in München zu Fasching. Aber später wurde offensichtlich, dass es der Startplatz eines Umzuges war, denn, Trio Elétrico wurden rangiert, Musikgruppen trafen ein. Im Gegensatz zu den hochtechnischen und recht kommerziellen „normalen“ Umzügen, handelte es sich hierbei aber um eine andere Variante, denn, es waren auch viele Reiter mit Pferden, Mulis und auch Esel unterwegs. Pferde und Eselskarren brachten sich in Position. Wir warteten so circa 2 Stunden. Der Platz füllte sich mehr und mehr mit Menschen, mehr oder weniger maskiert. Teilweise wirklich recht lustige Verkleidungen. Auch die alten Leute waren hier mit recht kreativen Maskeraden vertreten, wie z.B. ein alter Mann, der an seinen spindeldürren weißen Beinen, knallrote Netzstrümpfe an hatte. Bis über die Knie, abgeschlossen mit schwarzen Rosetten. Recht abgefahren. Auch viele Gays staksten in ihren Stilettos rum und wackelten atemberaubend mit ihrem Hintern, welcher, genauso wie der Vorbau, oft recht drastisch und künstlich, überproportioniert war. Die Musiker, die sich einfanden, das waren vor allem natürlich die großen Rhythmusgruppen, aber auch ganz kleine Ensembles, bestehend aus Gitarre, Mandoline und Perkussionsinstrumenten, welche diese beim Samba bekannten Luftballon-Quitschgeräusche hervorriefen. Die fand ich am mitreißendsten (nicht nur ich). Da wurde sofort drauf getanzt. Von der Oma mit 80 bis zur Schokogazelle. Alle machten da mit.
Wir haben dann noch so eine leckere Caldo (Suppe) gegessen. Auch das erste Bier floss bereits hier schon in Strömen. So gegen Mittag setzte sich der Zug dann langsam in Bewegung. (R. Prediliano Pitta – Garcia) Ich war froh, dass ich kurz vorher bereits meine ersten „körperlichen Flüssigkeitsdurchläufe“ in einer normalen Toilette loswerden konnte. (natürlich mit endloser Warteschlange). Das Problem war nur, von oben wurde ständig neue Flüssigkeit in Form von größtenteils Bier „nachgeführt“. Was die bei mir wirklich recht großzügige bemessene Kapazität der Vorratshaltung im unteren Bereich des Durchlaufs recht schnell wieder erschöpfte. Der Misio hat sich einfach geweigert, jegliche Flüssigkeit in diesen Prozess einzufügen, weshalb er das Entsorgungsproblem nicht hatte. Das hatte Vor- und Nachteile… Ich habe, bedingt durch den Wasserdruck und den daraus resultierenden Handlungsdruck recht kreative Lösungen gefunden, welche natürlich eher den Männern vorbehalten sind. Dabei macht man dann auch schnell Freunde, denn, Leid verbindet… Gemeinsam ist man stark… Mindestens kann man in den entstehenden Warteschlangen sich die Zeit mit einem Ratsch vertreiben und so schnell neue Leute kennen lernen.
Der Konvoi zog sich, gesäumt von immer mehr Passanten am Rand, langsam durch die Straßen. Plötzlich hatte sich von hinten eine Art von Demo mit eingeklinkt (Av. Leovigildo Filgueiras – Garcia), welche von irgendwelchen „Organisatoren“ zu verhindern versucht wurde. Es gab heftige Diskussionen, es wurde wild gestikuliert, recht laut gesprochen. Die Demo blieb aber dann hinter uns im Zug. Keine Ahnung für oder gegen was die waren. Das kann man an den Transparenten auf den Fotos analysieren.
Es ging (die Av. Leovigildo Filgueiras entlang) immer mehr in Richtung Zentrum. Der Misio fühlte sich im Palmencabrio recht wohl und nahm stehend, im offenen Dach, die Huldigungen des am Rande stehenden Volkes dar. Würdevoll und gnädig lächelnd.
Ich war mit Tadeu entweder vor oder hinter dem Palmencabrio auf der Straße unterwegs und genoss die Stimmung, machte ab und zu ein Foto, denn, ich hatte die ganze Zeit meine große Kamera in der Hand. Den Halsgurt fest und mehrmals um den Arm gewickelt, so dass man mir die Kamera nicht so leicht entreißen konnte. Die hätten schon den Arm mit ausreißen müssen…
Wir kamen auf unserem Weg (da wussten wir ja noch nicht was uns erwartet) durch verschiedene Viertel von Bahia. Es gab dann schon Gegenden, bei denen der Tadeu meinte, ich solle die Kamera lieber auf der Seite des Palmencabrios halten und überhaupt, ob ich nicht lieber einsteigen wolle… Zumindest solle ich in der Nähe bleiben. Aber ich bewegte mich eh meist in Sichtweite des Palmencabrios.
Die Ränder der Straßen säumten sich zusehends mit mehr und mehr Menschen. Der Weg ging jetzt, das war unübersehbar, schnurstracks in das Zentrum. Das Tosen der Leute, die Trio Electricos vor und hinter uns, die Musikkapellen mit ihrem mitreißenden Rhythmus, das war wie eine Art Trance in die man da mit der Zeit kam. Es machte so viel Spaß! Der Misio konnte natürlich aus seiner Warte alles recht gut überblicken vom Dach des Cabrios. Er hatte fast schon ein Honigkuchenpferd-ähnliches Lächeln drauf. Zumindest hatte er offensichtlich großen Spaß. Wir waren von früh an bis jetzt (so gegen 13:00 Uhr) immer in der zwar verdeckten, aber trotzdem von der Wirkung her recht starken Sonne gegangen. Da habe ich zum ersten Mal dann den Misio ein wenig um sein wirklich aufs gründlichste mit Sonnenschutzchreme präpariertes Gesicht beneidet. Denn, ich spürte jetzt schon, dass mein Gesicht deutlich genug Sonne abbekommen hatte. Aber, in diesem Trubel spielte das natürlich eine eher untergeordnete Rolle. Wichtig war nur immer wieder, wo entsorgt man die oben zugeführte und jetzt unten anstehende Flüssigkeit…
Den Alkohol spürte man praktisch gar nicht, vermutlich durch das Gehen, das starke Schwitzen oder bedingt durch die aufgepeitschte Stimmung.
Schließlich stockte der Zug. Weiter vorne war ein unheimliches Getöse zu vernehmen. Da waren richtig viele Leute. In der Ferne sah man Kammeragalgen rumschwenken. Da vorne war Campo Grande. Der Hauptplatz mit seinen ganzen mehrstöckigen Camarote und Fernsehtribünen.
Wir mussten warten. Die Zeit vertrieb man sich bei dieser superrhythmischen Sambageschichte, mit der Musiker mit nur wenigen Instrumenten, die umstehenden Personen förmlich zum Tanzen zwangen.
Am Straßenrand gab es überall Bier, sonstige Getränke und natürlich diese leckeren bahaianischen Sachen zu Essen. Ich habe keine Ahnung was das alles war, aber ich habe immer ganz kräftig mitgehalten und es war lecker. Hatte auch (im Gegensatz zu meiner „Fisch-Erfahrung“ in Arraial d’ Ajudaund) keinerlei gesundheitliche Probleme hinterher.
Dann ging es so richtig los. So musste sich Cäsar in Rom gefühlt haben wenn er in die Arena vor sein Volk zog. Zumindest sah es der Misio so aus in seinem Palmencabrio. Mir ging natürlich genau in diesem Moment die Batterie der Kamera aus… Klar!
Am Tag vorher erlebten wir die ganze Sache von oben aus der Camarote. Am nächsten Tag, so ganz überraschend, mal aus der anderen Perspektive, also von unten, direkt dabei. Kameras überall, mehrstöckige Camarotes, Logen und Fernsehstudios, überall wurden Interviews gemacht und ringsherum tobten alle im Rhythmus der Musik. Es war gigantisch!
Langsam, nur sehr langsam, schob sich der Zug weiter.
Dann, plötzlich funktionierte der Motor des Palmencabrio nicht mehr. War aber kein Problem. Er wurde von uns einfach weiter geschoben. Der Misio blieb in seiner „hoheitsvollen Position“ und „sublimierte die Huldigungen aufs gründlichste“.
Das schieben wurde immer schwerer, denn, nach Campo Grande wurde die Straße jetzt langsam ansteigend. Wir fielen aus dem Umzug, denn, die anderen bogen rechts ab, wir schoben noch ein paar Meter gerade aus und blieben stehen. Leider genau vor einer der zahlreichen Polizeitribünen. Um uns herum tobte alles. Die Polizisten wollten uns nicht weiterfahren lassen, denn, die gute Nachricht war, „el loco“ hatte es tatsächlich geschafft, den Keilriemen auszuwechseln. Von technischer Seite aus konnte es jetzt weiter gehen. Die schlechte Nachricht war, die Polizisten forderten plötzlich irgendwelche Genehmigungen ein, denn, das Palmenmobil stand nicht mehr in der richtigen Straße, sondern, war quasi „ein Fahrzeug ohne der richtigen Genehmigung im falschen Viertel“…
Der Tadeu schaffte es dann tatsächlich, die Polizisten „zu überzeugen“ und kam mit so einem grünen Papierteil, dass man sich wohl an den Rückspiegel hängt und welches die Erlaubnis repräsentiert, hier weiter zu fahren.
Es ging dann auch weiter, die Gegend hier war mir nicht so ganz geheuer. Wurde dann auch von einer Art von „schwarzem Wrestlingmonster“ mit weißem T-Shirt recht unsanft aus meiner Karneval-Trance gerissen. Der kam von hinten, packte mich recht rüde an der Schulter, schrie, seinem sehr unfreundlich aggressiv verzerrtem Gesicht nach, irgendwas Unflätiges zu und verschwand wieder nach vorne. Naja, die Kamera war ja noch da. Da fing ich an mir Gedanken zu machen, ob es nicht langsam Zeit wird den Chip zu wechseln und den aufgefüllten Chip zu Misio in sein Papamobil zu legen.
Es ging dann auch so problemlos weiter. Ich blieb dann tendenziell vor dem Cabrio und in der Nähe des Tadeu, damit sie mich nach einer wirklichen Attacke wenigstens aufsammeln und mich dann vernünftig begraben konnten. Tadeu und ich gingen oft weit vor und es war schon ein anderes Ambiente spürbar als noch ein paar Stunden in der Gegend vor Campo Grande. Das muß dann irgendwo in „dois de Julho“ gewesen sein.
Da ist dann noch mal so ein hell erleuchteter Platz gekommen, (vermutlich Praca Castro Alves) es wurde bereits langsam dunkel. Eine beeindruckende Stimmung gab es da auf diesem Platz, der so weitläufig und luftig vor uns lag. Da waren soooooo viel Menschen. Aber, wir zogen dann den Berg hoch in eine Seitenstraße.
Der Misio ist dann im Papamobil heimgebracht worden. Ich bin mit dem Tadeu die Straße weiter gegangen, bis ich es als eine Parallelstraße erkannte in der ich vor ein paar Tagen mit dem Misio in Richtung Campo Grande gegangen war. Circa 20 Min später waren wir in der Pousada. Mein Gott war ich kaputt. Ich konnte meine Beine nicht mehr richtig bewegen. Bin aber gar nicht erst zum Zimmer hochgegangen, denn es war geplant, dass wir noch gemeinsam zum Abendessen fahren würden. Es war erst eine Irrfahrt, denn, bedingt durch den Karneval hatten alle Restaurants, die wir kreuz und quer durch Salvador ansteuerten, geschlossen.
Wir fanden dann, nach einer längeren und wirklich schrecklich ermüdenden Stadtrundfahrt, doch noch ein bahianisches Restaurant, (in Barra) in dem wir, Tadeu, „el loco“, die Freundin von Tadeu Joel, Misio und ich, ein Gericht aßen, dass am ehesten an Cazuella erinnerte. Aber es wurde dazu gereicht: Reis, Maniokmehl, Bohnenmus mit Palmöl versetzt (oder so), Bohnen und eine recht scharfe Soße. Superlecker das Essen. Der „el loco“ versorgte ausführlichst, recht lautstark und unterhaltsam das ganze Restaurant mit seinen lustigen Geschichten über seine Erlebnisse mit seinen viel zu großen Unterhosen am Gay-Strand von Salvador… Etwas bizarr… Ein wirklich lustiger Vogel und so sympathisch!
Ich war dann wirklich froh wieder im Hotel zu sein, denn, ich konnte mich praktisch nicht mehr bewegen vor Muskelkater, Sonnenbrand, Dehydrierung und allgemeiner Erschöpfung…
Aber ich würde es jederzeit wieder machen und kann es jedem nur empfehlen, sich da mal richtig “rein zu schmeißen”. Das vergisst man nicht!
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Auf diesem Wege möchte ich auch nochmal ganz herzlich meinem Freund dem Stephan danken, der mir durch seiner Freundlichkeit diese Reise ermöglichte!
















